Mittwochs Abend war ich dann mit ein paar internationalen Studenten in der Studentenkneipe Flamman auf einem Jazzabend. Sieht ja fast so aus als hätte ich Blut geleckt was Kultur angeht, ja fast, ich kam dazu, weil ich einem schwedischen Flurmitbewohner namens Michael versprochen hatte, dass ich bei seinem ersten Auftritt in Flamman dabei bin. Er war für den Pianisten der Jazzband kurzfristig eingesprungen und musste sich an dem Abend quasi seine Sporen verdienen, was ihm soweit ich das beurteilen kann problemlos gelang. Ich trank ein kühles Guinness, aß einen Burger mit Pommes und lauschte der ausgesprochen schönen Musik mit den anderen Studenten an meinem Tisch. Die Atmosphäre dort war wahrlich wunderbar.
Gestern Abend hatte meine Peerstudentin Jessica zum Swedish Dinner eingeladen. Ich hatte mit Tobias und Maurizio ausgemacht (das sind die Beiden mit denen ich mir Jessica teilen muss), dass wir uns um halb 7 treffen um pünktlich um 7 da zu sein. Diese Rechnung hatten Tobias und ich ohne die italienische Pünktlichkeit gemacht, will sagen, Maurizio kam so um dreiviertel 7 (18:45 für alle nicht Pfälzer) und erklärte uns, dass er erst noch einkaufen müsse. Letztendlich waren wir also eine halbe Stunde zu spät was aber nicht weiter tragisch war. Jessica hatte auch noch ihre beste Freundin Kerstin (die ESN Austauschorganisatorin) eingeladen was zu einem guten Teil für die Unterhaltung an dem Abend beitrug. Jessica und Kerstin sind zwar die besten Freundinnen haben aber prinzipiell immer gegensätzliche Meinungen und sind demnach ständig am zanken, was einfach nur spaßig rüberkommt. Der kulinarsiche Abend begann mit Toast, Gemüse und einer Fischpaste also Vorspeise, ging weiter über Waffeln mit Eis, Sahne und diversen Marmeladen hin zu Fika mit selbstgebackenen Apfelkuchen, was alles ausgezeichnet schmeckte. Die Beiden hatten sich wirklich reingehängt, um uns ein köstliches Mahl zu zaubern. Während des Abends unterhielten wir uns über Mögliches und Unmögliches, Krieg und Frieden, Musik... ach und Fußball. Schade, dass ich meine Digicam vergessen hatte auch wenn ich mit ihr den Moment eh nicht hätte einfangen können. Der Traum vieler deutscher Männer, zwei bildhübsche, blonde Schwedinnen, die sich über Fußball unterhalten und das mit einer Leidenschaft und Verbissenheit, unglaublich! Natürlich artete das zwischen den beiden wieder in einem kleinen Streitgespräch aus bei dem sie uns fast vergaßen. Tobias, Maurizio und ich konnten eh kaum noch was dazu sagen. Ich musste kurz (sehr kurz!) an Dominik H. und Steffen F. denken. Hätte ich dem Gelaber der Beiden damals mehr Aufmerksamkeit geschenkt, hätte ich gestern wahrscheinlich mehr Ahnung von der WM gehabt und hätte mitreden können. So saß ich quasi mit Tobias und Maurizio auf der Ersatzbank für eine halbe Stunde. Nachdem die beiden dann zu einer Art Einigung gekommen waren strahlten sie uns an und meinten: "Ok, wir haben jetzt über Fußball geredet, jetzt könnt ihr euch über Make-up unterhalten!", worauf wir erstmal loslachten. Kerstin gab dann noch ein paar witzige Anekdoten aus ihrem Beruf als ESN Organisatorin zum Besten. Ein Austauschstudent hatte ich sich einmal nach einem Monat bei dem schwedischen Studentenwerk beschwert, dass sie doch mal bitteschön die Kühlschränke wieder auffüllen könnten. Der Typ hatten einen Monat lang von dem Essen seiner Mitbewohner gelebt und als die immer weniger in den öffentlich zugänglichen Regalen bunkerten, ging er davon aus, dass das Studentwerk vergessen hatte diese aufzufüllen. Der Typ fiel aus allen Wolken als ihm erklärt wurde, dass er für sein Essen schon selbst aufkommen müsse. Ja, er kam aus einem kommunistischen Land.
Ein anderer Student verpasste seinen Flug und kam deshalb erst in Linköping an als das Büro von Kerstin schon zu hatte. Man kriegt dort unter anderem auch die Schlüssel für die Wohnung. Also was macht man wenn man aus eigenem Verschulden in einem fremden Land ohne Bleibe ist? Klar, man ruft die Polizei an und trägt der sein Leid vor, die Jungs haben ja sicher nichts Besseres zu tun. Ich weiß ja nicht welche herzerweichende Geschichte er denen aufgetischt hat aber die waren von dem jungen Mann so angetan, dass sie ihm ein kostenloses Zimmer in einer Sozialwohnung besorgten. Am nächsten Tag holte er dann den Schlüssel bei Kerstin ab und erzählte ihr stolz die Geschichte. Kerstins Begeisterung dafür war eher gedämpft, weil der Typ quasi als erste Geste in einem fremden Land ein Zimmer auf Staatskosten genommen hatte, was sicher keinen guten Eindruck bei Einheimischen macht. Vielleicht hätte er das bei all seiner eingebildeten Schlauheit mal bedenken sollen.
Der gesellige Abend ging so um kurz nach Mitternacht zu Ende und war einfach spitze!
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