Mittwoch, Juni 20, 2007

Norwegen Trip

Am 11. Juni machten sich vier notorische Kaffeetrinker auf die Expedition mit dem Ziel, die letzten Winkel von Skandinavien zu entdecken und dabei vielleicht sogar ein paar Elche zu sehen.
Von Linköping aus machten wir, d.h. Jan, Bernhard und ich uns in Jans weißen Kombi auf Richtung Skavsta, wo wir Ralph am Flughafen abholten. Von dort ging es in einem total überfüllten Auto weiter durch Stockholm und Uppsala Richtung Norden an der Ostsee entlang, wo wir eine kurze Rast einlegten um zu Schwimmen und um unserer Sucht zu frönen.
Gegen Abend, nach einigen weiteren Stunden auf schwedischen Straßen, hatten wir (d.h. alle außer Ralph) sogar schon einen Elch am Straßenrand gesehen. Wir besichtigen kurz die Stadt Sundsvall und fuhren nach Westen Richtung Trondheim bis in die späten Abendstunden. Als niemand mehr fahren wollte schlugen wir kurzum unsere Zelte auf und machten uns auf die Pirsch. Wir konnten die Elche zwar rufen hören, nur zeigen wollte sich keiner. Zumindest hat Ralph, der als einziger den Elch am Straßenrand verpasst hat, die Nacht über von einer ganzen Elchkolonie, äähhh Herde geträumt ;-)
Am nächsten Tag schon, im Nordwesten von Schweden, verließ uns der Asphalt und wir holperten auf einer Schotterpiste weiter Richtung Trondheim in Norwegen. Die Landschaft hatte sich von der üblichen Gras-Wald Landschaft zu einer Sumpf-See Landschaft verändert. Mittags erreichten wir dann die Grenze zu Norwegen und konnten endlich auf asphaltierter Straße weiterfahren. Abends kamen wir dann nördlich von Trondheim auf einem verlassenen aber wunderschönen Campingplatz an. Als schon eingespieltes Team bauten wir schnell die Zelte auf und warfen ein 1.8kg Flintsteak auf den Grill. Bei einem Flintsteak handelt es sich wohl um die beste schwedische Erfindung aller Zeiten. Man bekommt sie in den Ausführung 1.1kg bis 1.9kg und es schmeckt einfach fantastisch. Allein der Knochen in der Mitte und die Haut außen gibt einem das wollige Gefühl ein totes Tier vor einem liegen zu haben, in das man alsbald seine Hauer versenken kann... aber ich streife ab. Nach unserem königlichen Mahl gönnten wir uns noch ein mitgebrachtes Bier und glitten in die üblichen Lagerfeuer-Männergespräche ab. Ralph scherzte, dass am nächsten Morgen hier sicher die norwegische Schwimmnationalmannschaft der Frauen trainiere. Mit dieser Vorstellung schliefen wir bald ein... und staunten nicht schlecht als am nächsten Morgen beim Frühstück wirklich eine Gruppe Mädels ankam. Es war zwar nicht die Schwimmnationalmannschaft sondern nur eine Gruppe Sportstudentinnen, die eine Koreographie einstudierten, aber der erste Eindruck von den Norwegerinnen war schonmal sehr positiv. Nur leider haben die sich ein bisschen geziert und wollten nicht mehr mit uns Beachvolleyball spielen... also Sack und Pack wieder ins Auto und weiter nach Trondheim, wo wir wie verabredet das frisch verliebte Pärchen Babs und Jan trafen. Die Beiden kamen quasi gerade aus den Flitterwochen von den Lofoten zurück. Ganz stolz berichteten Sie uns von den vielen gesehenen Elchen, die ja praktisch überall rumstanden. Nachdem mir Jan mit stolz geschwellter Brust die Elchbilder zeigte und mir erklärte, dass die Elche alle noch recht jung und deshalb so klein waren, konnte ich mir das Lachen nicht mehr verkneifen. Auf den Fotos waren nur Rentiere zu sehen, die es im Norden in rauen Mengen gibt, kein einziges zeigte einen Elch. Nach längerer Diskussion, reichlich bösen Blicken und bestimmenter Gestik von Seiten Jans, konnte ich mich dann aber doch noch überzeugen lassen, dass das eine ganz verschwommene Foto einen Elch zeigt. Bei zwei Dingen fängt man besser nicht an mit Jan zu streiten, wenn er glaubt einen Elch gesehen zu haben oder wenn er Hunger hat.
Am nächsten Tag brachten uns etliche Fähren, überteuerte Brücken und der wunderschöne Pass Trollstigen nach Bergen, wo wir uns in einer Jugendherberge einquatierten. Der Student an der Rezeption lud uns nach Dienstschluss kurzerhand auf ein Bier ein und zeigte uns die coolsten Clubs in der Stadt. Es war ein Hammerparty und zu dieser Jahreszeit wurde es nie wirklich dunkel, was dem ganzen nochmal einen besonderen Flair gab. Die Norweger sind im Gegensatz zu den Schweden ein ausgesprochen offenes Völkchen. Häufig waren wir davon überrascht wir direkt die Menschen in Norwegen auf Fremde zugingen, von der schwedischen Verschlossenheit keine Spur.
Die nächsten beiden Tage kämpften wir uns auf den kleinsten Straßen zu dem berühmten Preikestolen, einem Felsen, der 600m über einem wunderschönen Fjord liegt. Schon alleine die zweistündige Wanderung dorthin macht einem nochmal klar, dass Norwegen nur aus der Hand eines Künstlers stammen könne.
In den folgenden Tagen machten wir noch etwas den Süden von Norwegen unsicher, besichtigten die Stadt Rauland, was Jan Rauland sehr am Herzen lag und als wir zufällig an dem Dorf Flo vorbeifuhren schoss auch ich noch ein paar Bilder.
In Oslo besuchten wir dann noch den Holmenkollen und gönnten uns noch ein Eis in einem Cafe. Dort mussten wir uns auch bald von Ralph verabschieden, dessen Flug von hier aus nach Deutschland zurück ging. So machten wir Verbliebenen uns auch auf den Heimweg ins schöne Linköping zurück mit den vielen Eindrücken und Bildern der letzten Tage, die unserem Schwedenaufenthalt einen würdigen Abschluss gaben.

Auf dieser Karte kann man nochmal unsere mehr als 3.000 km lange Strecke ungefähr sehen:
Quelle: Map24.de


Was wäre so ein Bericht ohne Bilder? Mit einem Klick auf das Bild geht es zu meinem Webalbum.
Norwegen Trip

Freitag, Mai 25, 2007

SOF 2007

Die SOF 2007 (Student Orkester Festivalen), das größte Festival in Skandinavien welches jedes Jahr abwechselnd in Linköping und Uppsala ausgetragen wird, ist vor ein paar Tagen zu Ende gegangen und hat tiefe Spuren auf den Gesichtern der Studenten hinterlassen. Mit einem immer noch vorhandenen Schlafdefizit aber glücklich, schleppte man sich Montag Morgens wieder an die Uni. Die letzten fünf Tage waren die beste Party, die Schweden zu bieten hat.
Auf einem riesigen Parkgelände mit fünf Bühnen stellten meist studentische Hochschulgruppen ihr musikalisches Können unter Beweis bei donnerten Beifall. Dazu gab es noch einige Discoräume, die man aufsuchen konnte wenn man von der Orchestermusik genug hatte, was nicht wirklich häufig vorkam. Neben dem musikalisch Gebotenen, gab es noch wie auf einem Straßenfest Hüpfsburgen, ein Bällebad und andere Vergnügungen aus der Jugend. Hand aufs Herz, wer hätte nicht Lust nochmal ein Kind zu sein für einen Tag.
Ein weiteres Highlight der SOF war eine Parade durch die Stadt. Das Thema der Parade war Amerika, deshalb waren auf den meisten Wägen der Studenten verschiedene amerikanische Klischees stilisiert. Gekonnt wurde Spaß mit so manchem Denkanstoß kombiniert. Wettertechnisch hatten wir echtes Glück, fünf Tage lang Sonne und dabei wahnsinning abfeiern, was will man mehr?
Noch lange werde ich an dieses Fest zurückdenken, vielleicht schaue ich auch einfach nächstes Jahr in Uppsala mal vorbei :-) Es wundert einen schon sehr wie es den Studenten in Schweden möglich ist etwas so großes so reibungslos auf die Beine zu stellen.
Hier ein paar ungeordnete Bilder von dem Spektakel, die leider die Wahnsinnsstimmung nur unzureichend vermitteln.
SOF 2007

Noch ein paar Bilder findet man hier.

Montag, Mai 14, 2007

Grand Prix Eurovision

Über das Wochenende war ich zum zweitletzten Mal zu Besuch bei Daniel in Stockholm. Gleich nach meiner Ankunft Samstag Mittags gingen wir erstmal gemütlich einen Kaffee trinken, es war sogar warm genug um draußen zu sitzen. Dabei dann die üblichen Gespräche, was alles passiert ist, wie komisch doch manchmal die Schweden sind und hauptsächlich darüber, dass wir beide nur noch knappe 6 Wochen in diesem Land verbringen werden.
Danach bei Daniel in der Wohnung, gab es dann wieder etwas Leckeres zu essen, was mit einer der Hauptgründe dafür ist, dass ich Daniel häufig besuche. Nach Wochen endlich mal wieder was Richtiges zu essen.
Frisch gestärkt machten wir uns dann mit ein paar weiteren Deutschen auf zu einem Schweden, der eine Einweihungsparty für uns schmiss. Er und seine amerikanische Freundin haben eine Wahnsinns Wohnung in Södermalm, einem der teuersten Viertel in Stockholm bezogen. Die gerade neu renovierte Wohnung in einem Altbau kann sich wirklich sehen lassen, hohe Decken, Parkettboden, eine Küche aus Edelstahl (alles von Siemens) und alle Arbeitsflächen aus edlem Stein. Ich war nur kurz verwundert als er uns später Häppchen mit Kaviar servierte und der Alkohol war, Schweden untypisch, auch reichlich für alle da.
Bald war die Wohnung gefüllt, es wurde viel erzählt und dabei nebenbei noch den Grand Prix Eurovision geschaut. Am Ende bei der Auszählung der Punkte, die Türkei hatte gerade 12 Punkte an Armenien gegeben, da meint der anwesende Türke trocken: "Oh, sorry wegen dem Völkermord aber hier sind 12 Punkte!". Ich hab mich darüber fast kaputt gelacht, natürlich hatte auch er es witzig gemeint und wollte damit eher zum Ausdruck bringen, dass er keiner der üblichen Türken ist oder besser gesagt nicht dem Klischee entspricht. Um dem auch nochmal Nachdruck zu verleihen erzählte er uns folgenden Witz:
Als Gott sah, dass es verschiedene Religionen auf der Erde gab, wollte er die Frauen gerecht unter den großen Religionen aufteilen. Dazu brachte er alle Frauen in ein großes, weites Tal und bestellte nach einem Propheten aus jeder Religion. Sobald eilten Moses, Jesus und Mohammed herbei.
"Damit auch alles seine Ordnung hat", sagte Gott, "darf sich jeder von euch, in historischer Reihenfolge, die Frauen aussuchen."
Moses trat also in das Tal und rief: "Alle schlauen und intelligenten Frauen zu mir!"
Sie kamen und Moses zog mit den Frauen von dannen, die fortan jüdisch waren.
Nun kam Jesus an die Reihe, er rief: "Alle schönen und gut aussehenden Frauen zu mir!".
Sie kamen und folgen Jesus, von nun an wurden sie Christen genannt.
Als Letztes kam Mohammed dran, er schaute sich die übrig gebliebenen Frauen an, stutzte etwas und sagte: "Jo, zieht euch irgendwas über und dann kommt halt mit mir!"
und sie wurden Muslime.

Sehr geil oder? Nach der Einweihungsparty ging es dann weiter in die Stadt, wo wir noch etwas in einem Club abzappelten. Es war ein sehr gelungener Tag.
Am Sonntag gingen wir dann noch ein paar Runden Joggen und bald musste ich schon wieder los Richtung Linköping.

Montag, Mai 07, 2007

Labs

In Schweden legt man beim Studium wert auf viel Praxis und beschäftigt die Studenten in sogenannten Laboren (engl. Lab), was nichts weiter als praktische Übungen sind.
Zur Zeit beanspruchen mich vor allem die Labs aus meiner Vorlesung Numerical Methods for Advanced Computer Graphics und Programming Parallel Computers.
In Programming Parallel Computers lassen sie uns Studenten an Schwedens schnellsten Supercomputer ran, der es mit 1132 GFlops Ende 2003 immerhin noch auf Platz 103 der Top 500 schaffte. Die Sicherheitsvorkehrungen, um an einen Account zu kommen waren, schon etwas schärfer als üblich. Da der Cluster, also der Supercomputer, aus den USA kommt hat sich die Universität verpflichtet nur Verbündeten einen Zugang bereitzustellen. Deshalb wurde von jedem eine Kopie des Ausweises eingesammelt und geprüft. Mich hätte ja sehr interessiert was passiert wäre, wenn einer der iranischen Austauschstudenten mit ihm Kurs gewesen wäre. Oder vielleicht haben sie die schon im Voraus ausgefiltert? Wer weiß...
In dem Kurs lernen wir hauptsächlich den Umgang mit MPI, womit man Programme für Computer-Cluster schreibt und OpenMP, mit dessen Hilfe man Multicore- und Multiprozessorsysteme programmiert. Alles sehr technisch aber ich dachte ich erwähne doch mal was ich so neben den Parties treibe. Mir sind da schon so gänzlich aus der Luft gegriffene Gerüchte zu Ohren gekommen, dass ich hier gar nichts schaffen würde. Das stimmt so ganz natürlich nicht.
In Numerical Methods for Advanced Computer Graphics machen wir sogar, ganz untypisch für die Mathematik, etwas, das sich vorzeigen lässt.


Man sieht hier einen Punkt oder auch idealisierten Ball, der den Gesetzen der Schwerkraft ausgesetzt wird und sowohl am Boden als auch an dem sich bewegenden Hindernis abprallt.


Der Vogel war nur als Punktwolke vorgegeben und wurde durch parametrisierte Splines gezeichnet. Er bewegt sich entlang einer Sinuskurve und wird dabei mit Hilfe von einer Rotationsmatrix nach der jeweiligen Steigung der Sinus Funktion gedreht.

Hui, viel Fachsimpelei, ich frage mich wer bis hierhin gelesen hat. Mich beschleicht gerade die Befürchtung, dass ich damit die eh schon bescheidene Anzahl meiner weiblichen Leser weiter reduziert habe. Haltet durch, das nächste Mal gibt es wieder etwas lustigeres zu lesen!

Sonntag, Mai 06, 2007

Was mich ärgert

Da sitzt man an einem Samstag Abend zu später Stunde in geselliger Runde mit internationaler Besetzung und hängt gemeinsam seinen Gedanken nach. Bei ein paar Gläsern Wein oder auch Bier hangelt man sich von einem lauen Schwätzchen zum nächsten während die Zeit so an einem vorbeifließt. Zu fortgeschrittener Stunde lässt die Vernunft in den Diskussionen erfahrungsgemäß immer mehr von sich missen und bei uns war das keine Ausnahme. Ein Österreicher empörte sich z.B. lautstark darüber, dass jeder Österreicher alle Ausdrücke der Deutschen kenne, aber nur wenige Deutsche könnten etwas mit den einfachsten österreichischen Ausdrücken wie Jänner anfangen. Das sei nicht in Ordnung, sowas müsse geändert werden. Diesem absurden Vorschlag brachte ich die etwas spitze aber nichtsdestoweniger richtige Bemerkung entgegen, dass Deutschland nunmal viel wichtiger als Österreich sei und es deshalb schon passe, wie es ist.
Meine Aussage wiederum nahm ein bis dato still zuhörender Schwede zum Anlass seine Gesangskünste mit "Deutschland, Deutschland über alles!" unter Beweis zu stellen.
Klar, nur so zur Provokation, hatte aber trotzdem gesessen. Plötzlich ist man selbst wieder in der missligen Lage sich für einen Hauch von Nationalstolz rechtfertigen zu müssen. Ich fühle mich nicht schuldig für etwas, was die Generation meiner Großväter verbrochen hat und sehe es darüber hinaus nicht ein warum ich mein Land nicht genauso bevorzugen kann wie ein Franzose Frankreich und ein Italiener Italien bevorzugt.
Man erwartet einfach, dass ein Deutscher nicht stolz auf sein Land ist und ständig sein Licht unter den Scheffel stellt. Tut er das nicht kommt man gern mit solchen verbalen Tiefschlägen. Sowas ärgert mich...