Freitag, September 29, 2006

Le Mans

Am Donnerstag Abend war mal wieder Kravall, diesmal mit dem Thema "Le Mans", also dem berühmten 24h Rennen neben der gleichnamigen Stadt. Angefangen hat der Abend mit Vorglühen auf der Preparty von Diana, was auch gleichzeitig ihr Geburtstag war. Neben Punsch und Bier haben wir auch einen typisch schwedischen Partystarter Polkagris & Vodka probiert. Man nimmt sich gut 10cl Vodka und wirft ein rot/weiß gestreiftes Bonbon namens Polkagris rein. Man wartet dann etwas bis es sich auflöst und trinkt das Ganze als Shot. Schmeckt ziemlich mintzig und kann man eigentlich nur empfehlen wenn man schnell voll werden will, ich blieb nach einem Shot von dem Zeugs lieber beim Bier, der Abend hatte ja erst begonnen.
Gegen halb 11 rum machten wir uns in Richtung Party an der Uni auf, jedoch blieben wir gleich bei der nächsten Preparty hängen, die nur ein Stockwerk weiter unten war. Noch einer halben Stunde konnten wir uns aber auch da loseisen und fuhren mit dem Rad zur Uni.
Die Party war natürlich voll auf Motorsport getrimmt, so ein Motto verpflichtet. Es gab viele Reifenstapel, die Cocktails waren nach berühmten Rennfahrern benannt und die Overalls der Veranstallter waren ferrarirot, das ist hier offiziell die Farbe der Maschinenbauer. Im Kellergeschoss gab es eine Bar mit Liveband, die harten Rock bis Metal spielte während in der Haupthalle die übliche Discomukke gespielt wurde. Ziemlich cool war, dass ich mich doch mit einigen Einheimischen über den Abend unterhielt, was so nur mit Besoffenen möglich ist. Die Schweden und vor allem die Schwedinnen sind zwar ein sehr freundliches aber auch sehr schüchternes Völkchen. Wenn die dann aber mal so gegen ein Uhr in der Früh voll sind wie eine Haubitze dann wird man ständig angelabert, meistens so auf die Art: "Hej, you are from Germany, right?" - "Fuck, is it that obvious?" ... Also dass man es an meinem deutschen Akzent hört versteh ich ja und dass mein Overall mich als Austauschstudent entlarvt ist auch klar, dass die aber meine Herkunft kennen obwohl ich noch gar kein einziges Wort gesagt habe wundert mich als schon ein Bisschen. Naja, die meisten Austauschstudenten hier sind nun mal aus Deutschland, deshalb wahrscheinlich.
Die Kravall war echt spitze, wenn sie ganz nüchtern betrachtet auch wie jede Andere war aber das muss ja nichts Schlechtes heißen.

Dienstag, September 26, 2006

Tribefunction

Heute war mal wieder Problemclass bei Vladimir, also Übung. Man sitzt da löst noch ein paar Aufgaben, ruft Vladimir wenn man nicht weiterkommt oder Fragen zu den Hausaufgaben hat. Bei einer Aufgabe hatte ich nicht ganz die Lösung und wollte nachfragen wo mein Fehler ist, Vladimir gerufen und ihm erklärt wie ich an die Aufgabe rangegangen bin. Es ging darum eine harmonische Funktion u auf der Halbebene (y>0) zu finden mit Neumann Randbedingung. Mein Vorgehen war v als die Richtungsableitung von u in Richtung y zu definieren und das Ganze einfach als Dirichlet Problem zu sehen, dass wir in der Halbebene bereits mit der Greenfunktion gelöst hatten. Soweit so gut, bis es daran ging die Funktion wieder zu integrieren, um von v auf u zu kommen. Hatte da irgendwie voll den Blödsinn geschrieben und Vladimir war nicht ganz klar was ich da mache. Eigentlich nur die Stammfunktion, aber Moment was heißt das auf Englisch? "I've calculated the tribefunction of v", war das Erste was ich ohne groß nachzudenken rausblabberte. Ratloser Blick von Vladimir, Martin neben mir hätte am liebsten laut losgelacht, sichtlich angstrengt sich auf die Zunge beissend. Ja, ich seh schon, das wird mir von ihm noch lange vorgehalten. Letztendlich verstand dann Vladimir, um was es mir da geht, die Mathematik ist halt doch noch universeller als Englisch.
Die Anhänger meiner Zunft unterscheiden sich hier in Schweden übrigens kaum von denen in Deutschland. Es gibt wenige Normale und einen Haufen Typen, die jedes Klischee über Mathematiker erfüllen, ja Typen, der Frauenanteil ist sogar hier in Schweden zu vernachlässigen. In meinem nächsten Leben werde ich übrigens Lehrer, die werden ja gerade stark gesucht, was so die Tagesschau verlauten lässt. Spruch von Jack Black:
But anyway, I just decided to give up on myself and
become a teacher because those that can't do, teach.
And those that can't teach, teach gym.
Demnach würde ich mich dann auch ganz klar für die Kombination Mathe/Sport entscheiden :-)

Abends wollte ich mal die volle Dröhnung schwedischer Nationalgerichte auf einmal und hab mir Köttbular, das sind so Fleischbällchen und Pytt i Panna, das sind so Kartoffelstücker mit Ei und Fleisch, in eine Pfanne gehauen. Mats war vollends aus dem Häuschen als er mich kochen sah. Das kann man doch nicht machen, niemals zusammen! Er hat dann noch eines seiner Fischstäbchen dazugeworfen, das Pünktchen auf dem i in ungenießbar.Also soooo schlecht hat das dann gar nicht geschmeckt. Der Fisch hat den Geschmack der Köttbular ausgezeichnet unterstichen, nein ernsthaft ich hatte einfach Hunger...

Samstag, September 23, 2006

Flurparty

Gestern abend war ich mal wieder auf einer Flurparty ein paar Straßen weiter. Es gab sogar eine illegale Bar, d.h. ohne Ausschankgenehmigung was in Deutschland absolut üblich, hier aber fast einem Aufgebähren gegen das System gleichkommt. Was mich vor allem freute war, dass auch richtiger Whiskey ausgeschenkt wurde, kein Jack Daniels oder Johnny Walker Fusel. Von einem besoffenen Schweden erfuhr ich dann von dem Transrapid Unglück in Deutschland. Nachdem ich erstmal etwas verdutzt kuckte meinte er mich etwas aufmuntern zu müssen: "Bei 80 Millionen Deutschen kommt es auf die 20 auch nicht mehr an!". Na klar, so isses! Ein Bisschen Schwund gibt's immer. Wir haben uns dann aber darauf geeinigt lieber blöde Sprüche über Amis zur reißen, was einen bei soviel Vorlage eine Zeit lang beschäftigt.
Die Party war im Grunde genommen wie jede Flurparty, d.h. gut aber nicht der Renner, jedoch ohne Alkohol kaum zu ertragen. Nebenan war im Herrgår'n auch wieder irgendein Special an dem Abend mit Queues deren Ende man im Dunkeln nicht mal mehr sah. Das Ganze dann noch für umgerechnet 5€, ich werde zu solchen Preisen nie wieder da hingehen. Dann schon lieber auf die tausend und erste Flurparty.
Heute konnte ich auch seit Tagen mal wieder mein Fahrrad benutzen. Vor drei Tage hatte ich mir ein neues Schloss gekauft und es direkt mal ausprobiert, nichts Böses befürchtend. Während das Zuschließen noch relativ gut ging, brach beim Öffnen der Schlüssel. Ich schiebe den Fehler jetzt einfach mal auf den Schlüssel. Das Ganze hieß für mich vor allem wieder viel Laufen in den letzten Tagen. Heute habe ich dann jemand mit Bolzenschneider gefunden der mir das Ding wieder öffnete. Konnte das kaputte Schloss auch wieder im Geschäft gegen ein Neues umtauschen nach langer Diskussion mit dem Personal. Wie der Materialfehler in dem Schlüssel wird von der Garantie nicht abgedeckt? Der gehört doch wohl dazu. Morgen muss ich dann mal das neue Schloss ausprobieren.
Vor zwei Stunden haben wir uns in der WG noch einen neuen Kühlschrank beschafft. Zwei Straßen weiter wird gerade ein Haus renoviert und da stehen absolut funktionstüchtige Kühlschränke rum, die nur auf einen neuen Besitzer warten. Das mit dem absolut funktionstüchtig stimmte leider nicht ganz. Bei dem Ersten den wir rangekarrt hatten ist irgendein Teil hinten explodiert und hat die Sicherung mit in den Tod gerissen. Zum Glück hatten wir Ersatz. Bei dem zweiten Kühlschrank hatten wir bis jetzt Glück und zu meiner Beruhigung sind hier überall Brandmelder installiert.

Freitag, September 22, 2006

Norrköping

Ein ordentlicher Student geht ja Donnerstags ins verdiente Wochenende. Deshalb hatte ich heute den ganzen Tag Zeit mal etwas über den Tellerrand von Linköping hinaus zu schauen. Die Universtität von Linköping hat insgesamt drei Campi (Plural Campus, musst's auch nachschlagen ;-) wovon einer in Norrköping liegt, das 40 Minuten mit dem Bus entfernt ist. Für die armen Studenten, die da hin müssen steht ein kostenloser Pendlerbus zur Verfügung. Heute morgen um kurz nach 11 Uhr haben ein Kumpel und ich den Bus nach Norrköping genommen, um uns dort mal die Stadt anzuschauen. Vor Ort trafen wir dann noch einen Österreicher, der uns den Campus zeigte. Der Campus liegt direkt an einem Fluss und ist noch keine 10 Jahre alt. Man hatte alte Industriegebäude, die lange brach lagen, umfunktioniert was sehr gut gelungen ist. Es hat schon eine besondere Anziehung die ganze Zeit einen Blick auf einen Fluss zu haben und dazu noch die Geräusche der kleinen Staustufen im Ohr.Nach der Campusführung gingen wir uns noch die Stadt ankucken, die obwohl sie eigentlich kleiner als Linköping ist, trotzdem mehr Stadtflair besitzt. Das liegt wohl zum einen an der Straßenbahn und zum anderen an der typisch städtischen, kompakten Bauweise. Das Wetter war wirklich herrlich und wir liefen lange Zeit in der Fußgängerzone umher. Nach einiger Zeit machte sich dann meine Kaffeesucht bemerkbar. Eigentlich bich ich als Teetrinker hierher gekommen, unglaublich was Schweden aus einem macht. Wir steuerten dann also das nächste Straßencafé an und brachten unseren niedrigen Koffeinspiegel wieder auf das normale Niveau. Etliche Gespräche später und frisch gestärkt liefen wir dann gegen 4 Uhr zurück zur Bushaltestelle, von wo wir kurz vor halb 5 dann zurück nach Linköping fuhren.

Dienstag, September 19, 2006

Laboratorium

Hatte heute das erste Mal Optimierungstheorielabor im B-Bau. Als Vorbereitung für das Labor hatten wir bereits letzte Woche Material bekommen auf Schwedisch, was die Sache nicht unbedingt leichter machte. Zum Glück hatte uns unser Lehrer Oleg in 2er Teams eingeteilt, je ein Schwede und ein Ausländer. So ging ich die Vorbereitung eher nach dem Motto an, so ein Bisschen was machen um nicht mit leeren Händen dazustehen aber der Rest ergibt sich dann. Soviel zu der Theorie, in der Praxis bekam ich einen Schweden zugeteilt, der noch nicht mal die Aufgabenstellung gelesen hatte. Also nichts von wegen TEAM (Toll ein Andere macht's) aber mit Ach und Krach gaben wir dann eine viertel Stunde über der Zeit doch noch unsere Aufgaben ab. Für meine Leser mit mathematischem Hintergrund, wir haben im Labor ein paar einfache lineare Optimierungsaufgaben mit AMPL gelöst, was soweit eigentlich ganz einfach ist wenn man mal den Syntax verstanden hat. Nächster Schritt war dann das Ganze nochmal mit Excel zu lösen, also dieses unsägliche Programm von Microsoft, das es schafft auch die einfachen Dinge schwierig zu machen. Also gleich mal so einen Assistenten gerufen, nicht die komsiche Büroklammer sondern einen Leibhaftigen, der uns dann erklärte wie das funktioniert. Nach ewigem Rumgeklicke, Spaltenrumgeschiebe usw. hatten wir dann das auch geschafft. Ich meinte so zum Assi, dass AMPL ja um einiges besser ist. Der grinste nur und meinte ich könnte das laut sagen. Die ließen uns die Aufgabe nur in Excel machen, damit wir mal sehen was das für eine Krux ist. In der nächsten Aufgabe hatten wir dann die Wahl und jeder hat sich wohl für AMPL entschieden.
Noch was zum B-Bau, das Gebäude war angeblich mal eine Waffenfabrik und sieht dementsprechend karg aus. Ich meine wer Bomben zum Häuser zerstören baut, braucht auch selbst nichts architektonisch Anspruchsvolles. Mit einer ähnlichen Argumentation hat wohl die Univerwaltung alle Ingenieurswissentschaften und die Mathematik dorthin verbannt. Die haben sich dann noch alle Mühe gegeben das ganze ja geekig aussehen zu lassen. So nennt jeder Fachbereich seine Gänge und Flure nach Fachwörtern aus der eigenen Wissenschaft.Dreimal dürft ihr raten welcher Fachbereich das ist.
Wo wir es gerade von Geeks haben, habe heute rausgefunden wie der Allererste hieß.
So also zwei unnötige Bilder am Schluss aber es kann ja nicht jeden Tag was Interessantes zum zeigen geben.